Zwei blaue Haken. Keine Antwort. Aber eine neue Story ist offenbar noch drin? Samy kennt beide Seiten dieser Diskussion – und Max hätte zumindest gern ein kleines Lebenszeichen.
In unserer ersten Podcastaufnahme mit dem Twitch-Chat sprechen wir darüber, was wir voneinander erwarten. Auf der Wache, im Freundeskreis und auf dem Handy. Warum gehen wir krank zur Arbeit, obwohl wir wissen, dass das keine gute Idee sein kann? Wie viel schlechtes Gewissen steckt hinter dem Satz „Ich will die Kollegen nicht hängen lassen“? Und warum fühlt sich eine gelesene Nachricht manchmal schon wie ein verbindlicher Auftrag an?
Dazwischen landen wir bei Nachteulen, einem Handy in Schwarz-Weiß und Dr. Google. Gesundheitsinformationen können helfen – aber eine Suche kann auch immer neue Sorgen aufmachen. Bei KI geht es uns ähnlich: Eine überzeugende Antwort ist noch lange keine richtige. Vielleicht wäre „Weiß ich nicht“ manchmal die bessere Antwort. Auch bei Menschen.
Zum Schluss wird es persönlich: Wer würde merken, wenn wir uns nicht mehr melden? Warum fällt es manchmal so schwer, alte Freunde einfach anzuschreiben? Und warum braucht Max selbst nach einer guten Zeit mit seinen Lieblingsmenschen erst einmal Ruhe, während Samy am liebsten noch länger auf dem Festival bleiben würde?
Vorher nehmen wir uns Zeit für Johannas Rückmeldung zur vergangenen Folge. Wir sprechen über Körperfettwerte, Unterschiede zwischen Männern und Frauen und darüber, warum persönliche Sporterfahrungen nicht einfach zum Maßstab für alle werden können.
Ihr seid dran: Habt ihr ein schlechtes Gewissen, wenn ihr euch krankmeldet? Und was lösen zwei blaue Haken ohne Antwort bei euch aus? Schreibt in die Spotify-Kommentare oder diskutiert bei der Folge auf retterview.de/mit.
Quellen und weiterführende Links
– Krank zur Arbeit: Szymczak et al. (2015): Reasons Why Physicians and Advanced Practice Clinicians Work While Sick (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26146908/). Die besprochenen Zahlen stammen aus einer Befragung an einem Kinderkrankenhaus in Philadelphia; sie beschreiben nicht den deutschen Rettungsdienst insgesamt.
– Gesundheitsangst und Suchen im Netz: Schenkel et al. (2021): Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu Cyberchondrie(https://www.jmir.org/2021/11/e27835). Ein Zusammenhang ist kein Beweis dafür, dass jede Suche nach Symptomen krank macht.
– Gelesen, aber nicht geantwortet: Chou et al. (2022): Why Did You/I Read but Not Reply?(https://doi.org/10.1145/3491102.3517496). Eine qualitative Interviewstudie zu Lesebestätigungen und unterschiedlichen Erklärungen für ausbleibende Antworten.
– Körperzusammensetzung im Leistungssport: Kettunen et al. (2025): Associations Between Body Composition and Performance in Elite Endurance Athletes (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40962298/) und Hew-Butler et al. (2025): Evaluating lower limits of body fat percentage in athletes using DXA (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1094695025000046).
– RED-S: IOC-Konsens von 2023 zu Relative Energy Deficiency in Sport (https://doi.org/10.1136/bjsports-2023-106994).
Fachliche Ergänzungen zur Folge
Die genannten Körperfettbereiche sind keine allgemeinen Zielwerte oder Diagnosegrenzen. Untersuchungen an Sportlerinnen und Sportlern lassen sich nicht einfach auf alle Menschen übertragen. Bei RED-S geht es um eine problematisch niedrige Energieverfügbarkeit; betroffen sein können Frauen und Männer. Siehe die oben verlinkten Sportstudien und den IOC-Konsens.
Die Vermutung, 80 Prozent bestimmter ADHS-Diagnosen seien eigentlich auf eine „hohe Dopamin-Baseline“ zurückzuführen, ist im Gespräch eine persönliche These und kein belegtes Studienergebnis. ADHS lässt sich nicht mit viel Handynutzung gleichsetzen. Zur fachlichen Einordnung: https://www.gesundheitsinformation.de/adhs-bei-erwachsenen.html und https://gesund.bund.de/adhs .
Auch Frauen können bei einem Herzinfarkt typische Brustschmerzen haben; weitere Beschwerden können ebenfalls auftreten. Die Formulierung „komplett anders“ ist deshalb zu pauschal. Dazu: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/anzeichen-fuer-herzprobleme-erkennen
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1 Kommentar zu „Krank zur Arbeit & immer erreichbar – soziale Batterie leer?“
Danke für eure Folge „Krank zur Arbeit?“
Ich habe das schmerzhaft lernen müssen, dass man es nicht unbedingt gedankt bekommt…
Bei mir war es nicht krank, sondern schwanger (wie ein Kollege es auch noch betont hat, ich solle mich daher nicht so anstellen….).
Übelkeit und Erbrechen Tag und Nacht, tw Beschäftigungsverbot. Mit Vomex habe ich den Vormittag irgendwie geschafft. Danach ging wirklich NICHTS mehr.
Das habe ich durchgezogen bis zur 24. Woche – ab ins Krankenhaus mit vorzeitigen Wehen und verkürztem Gebärmutterhals. Zum Glück ist alles gut gegangen, das Wunder wird bald 8 Jahre alt.
Aber Dank? Haha. Weder von den Kollegen noch von den Chefs. Stattdessen durfte ich nach der Elternzeit gehen, weil ich nicht mehr so flexibel war wie vorher (Kurzfassung).
Wenn ich jetzt – aus welchem Grund auch immer – nicht fit genug bin für die Arbeit bleibe ich zu Hause. Kind krank, ich krank – zu Hause bleiben. Und meine neue Chefin ist da aber auch super, es gibt kein schlechtes Gewissen was eingeredet wird sondern ein „Gute Besserung.“
Und freundlicherweise *Ironie off* werden meine Krankentage nicht mehr in der Lohnabrechnung summiert aufgeführt, jedes Jahr und im Dezember mit Textmarker markiert, damit man sich selbst ausrechnen kann was an Weihnachtsgeld abgezogen wurde (5€ pro Krankentag… – Nein, kein Scherz).
Nach meinem Auto Unfall im
Januar (die danke mal an die Sanis wurde lieberweise vorgelesen – Danke! Es ist an der Wache angekommen!) hat mir mein Chef mehrfach angeboten, dass ich so lange zu Hause bleiben kann wie ich es brauche. Kein drängeln, nichts, doch endlich wieder zu arbeiten. Danke!
Daher: Augen auf bei der Arbeitgeber-Wahl. Und wer krank ist gehört nach Hause, Gesundheit geht vor.
Also: Bleibt gesund ihr zwei, viel Spaß weiterhin beim Podcast und danke für die vielen Folgen!